studium.

in braunschweig medienwissenschaften zu studieren heißt vor allem eins: das chaos lieben lernen. zwei unis, unzählige veranstaltungsorte, die über die ganze stadt verteilt sind und eine koordinationsstelle, die es zeitweise nur manchmal gab, zwangen mich frühzeitig dazu, mich von der vorstellung eines wohldurchdachten studiums, in dem eins auf dem anderen aufbaut und sich die seminare sinnvoll ergänzen, aufzugeben. allein bis man herausgefunden hat, wo überall anmeldelisten aushängen und wie man die kurse findet, die nicht im vorlesungsverzeichnis stehen, vergehen gut und gerne die ersten zwei jahre. in denen hat man allerdings sowieso nicht viel zeit, sich über die wirklich interessanten lehrangebote gedanken zu machen, denn das pflichtnebenfach "technik der medien" nimmt die meisten doch ziemlich in beschlag. gut, man wollte schon wissen, wie ein fernseher oder eine digitalkamera funktioniert, aber muss der weg dahin wirklich über mathe für maschbauer, programmierübungen mit den informatikern und höhere elektrotechnik führen? als es dann im hauptstudium wirklich um bildröhren und ccd-chips ging, war ich froh zu erkennen, dass die ganze quälerei im grundstudium zumindest teilweise ihre berechtigung hatte. und auch wenn man für seine webseite mal ein wenig javascript oder actionscript für einen flashfilm braucht, ist man doch froh, dass einem die struktur aus der c++-vorlesung zumindest irgendwie bekannt vorkommt.

technik und praxis sind jedoch nur ein teil des studiums. denn wie der name schon sagt, geht es auch und vor allem um den wissenschaftlichen aspekt von medien. was sind medien? welche gesellschaftliche bedeutung haben sie? ausgehend von den klassikern der medientheorie (mcluhan, barthes, foucault, baudrillard, postman, luhmann, flusser, usw.) sowie neuerer literatur (z.b. von rötzer, großklaus, winkler, dery, turkle, engell, hall, morley u.v.m.) wird versucht, den begriff des mediums näher zu bestimmen und erklärungen für historische und aktuelle medienentwicklungen und -phänomene und ihre gesellschaftlichen auswirkungen zu finden. dabei zeichnet sich die theoriebildung durch ein hohes maß an interdisziplinarität aus. je nach persönlicher präferenz besteht daher auch die möglichkeit, sich teilbereichen wie mediensoziologie, medienkultur, medienrecht, medienökonomie, medienwirkungsforschung, medienpsychologie usw. verstärkt zu widmen. selbst wenn man, so wie ich, im hauptstudium den schwerpunkt "multimediaproduktion" gewählt hat, kommt man um die wissenschaftliche-theoretische seite nicht drumrum und spätestens wenn es an die magisterarbeit geht, sollte man zumindest ein paar dieser vorlesungen und seminare besucht haben. die magisterarbeit habe ich nun gerade hinter mich gebracht. geschrieben habe ich sie im rahmen des ANIMA-forschungsprojektes von prof. bauer, was aufgrund des ungewöhnlichen forschungsansatzes des projekts sowie der damit verbundenen erwartung, einen besonderen erkenntnisgewinn zu erzielen, ein anspruchsvolles unterfangen war.