Extras:
- wallpaper parachutes
- 1024 x 768 I jpg
- wallpaper parachutes
- 1280 x 854 I jpg
- wallpaper city flash
- 1024 x 768 I jpg
- wallpaper city flash
- 1280 x 854 I jpg
daily nightmare.
"du darfst nicht alleine in den wald gehen. wir wollen nicht, dass dir was passiert!" sicher, meine eltern haben mit diesem verbot damals nur ihrer sorge um mich ausdruck verliehen und ich würde es, hätte ich eine tochter, mit höchster wahrscheinlichkeit ganz genauso machen. und wie meine eltern es bei mir getan haben, würde ich ihr damit von klein auf eine angst eintrichtern, die man nicht mehr los wird. angst vor einsamen waldwegen, angst vor dunkelheit, angst vor schritten, angst vor dem alleinesein. ich bin natürlich trotzdem oft alleine mit dem fahrrad durch den wald zur schule gefahren, einfach weil es der kürzeste weg war. ich erinnere mich an die schönheit der morgentlichen nebelschwaden zwischen den bäumen und wenn man glück hatte, erhaschte man einen blick auf ein paar rehe, die einen kurz mit ihren großen augen anblickten um dann sogleich wieder in das weiß verhüllte unterholz zu entschwinden. es sind diese momente, die ihre kraft nur entfalten, wenn man sie alleine erlebt und mit niemandem teilen muss. ich bin gerne alleine, ja ich bin sogar überzeugt davon, dass viele der heutigen zwischenmenschlichen probleme daher rühren, dass die menschen verlernt haben, mit sich allein zu sein. doch auch wenn mir die vielen einzigartigen momente zufälliger oder gewollter einsamkeit als besonders wertvoll im gedächnis geblieben sind, so ist doch keine erinnerung an sie rein und ungetrübt. wie ein schleier legt sich die angst vor einem möglichen angriff über die wahrnehmung. die von eltern und medien herauf beschworenen horrorszenarien brennen sich in jedes bild ein, überlagern alles, was ich sehe. wenn einem wirklich einmal so etwas passieren sollte, würde man endlich dagegen anschreien können, man könnte versuchen sich zu wehren, man könnte etwas tun. die angst davor ist lähmend und stumm. mein lieblingsbild ist "der schrei" von edvard munch.
ich habe lange nach einer ausdrucksform für das gefühl der ständigen bedrohung, dem man als mädchen ausgesetzt ist, gesucht. auch wenn dieses thema schon vielfach bearbeitet und seine bedeutung von einer armada niveauloser talkshows dermaßen ins lächerliche gezogen wurde, dass man sich kaum noch traut, ernsthaft darüber zu reden, so hat es doch für mich persönlich in keinster weise an brisanz verloren. da kann ich noch so selbstbestimmt sein, doch wie oft habe ich schon den umweg über die hell erleuchteten hauptverkehrsstraßen dem weitaus kürzeren aber eben sehr abgeschiedenen und dunklen weg vorgezogen, wenn ich nachts alleine mit dem fahrrad nach hause fahre. und seitdem ich in meiner früheren hochparterre-wohnung monatelang von einem spanner terrorisiert wurde, der sich abends an meinem fensterbrett hochzog, möchte ich nie wieder niedriger als 1. stock wohnen. der anblick einer vom licht einer einzelnen laterne beschienenen wegbiegung im dunklen park kann noch so schön sein, das bild in meinem kopf wird immer von den bildern, die sich einem durch die warnenden hinweise der eltern und die erzählungen der medien in meine wahrnehmung der umwelt eingefressen haben, gestört.
um dieser vereinnahmung der persönlichen bildwelt ausdruck zu verleihen, habe ich zunächst fotos von einsamen wegen und orten bei nacht gemacht und diese dann nachträglich mit zeichnungen überlagert, die für die situationen stehen, vor denen ich angst habe, wenn ich an solchen orten alleine bin. die zeichnungen habe ich mit einem schwarzem stift auf transparentfolie erstellt. beim abziehen der fotos vom negativ habe ich diese folien dann auf das fotopapier gelegt und mit belichtet. so wie sich im realen leben meine angst vor möglichen übergriffen als fester bestandteil in meine wahrnehmung und mein bild von der umwelt einschreiben, so schreiben sich die zeichnungen unverrückbar in den fotografischen abzug der wirklichkeit ein. die fotos sind stumm. stumm wie die angst, stumm wie der schrei auf dem gemälde von edvard munch.
vielen dank an jan für die begleitung beim fotospaziergang!