pedro in pappstadt.

pedro langweilt sich in seinem kleinen bergdorf el torrente in der mexikanischen sierra madre. früher, als der nahegelegene fluss noch große mengen goldnuggets mit sich trug, da war hier viel los, sagt sein großvater immer. die menschen kamen von überall her, auf der suche nach glück und abenteuer. es gab tavernen, cafés, sogar ein kleines kino und jeden samstag fand ein großer markt statt, auf dem die leute der ganzen umgebung ihre waren zum verkauf feilboten. das war immer ein buntes treiben und eine gute gelegenheit, den töchtern der anderen familien schöne augen zu machen. doch irgendwann versiegte der natürliche reichtum des flusses und mit den goldwäschern verschwand auch das leben aus dem dorf. nun hat sich schon seit mehr als dreißig jahren kein fremder mehr nach el torrente verirrt und mit der zeit haben sich auch die meisten einheimischen mit der hoffnung auf ein besseres dasein davongemacht. die wenigen dagebliebenen arbeiten von früh bis spät auf den kaffeeplantagen im tal. pedro ist das alles viel zu öde. deswegen macht er sich auf in die große stadt und mit ihm sein kleiner hund gonzales, der ihm überall hin folgt. doch in der stadt lauern überall gefahren...


diese trickfilmreihe in 10 kurzen episoden entstand recht zufällig während meines auslandssemesters in frankreich. da das leben im äußerst spartan gehaltenen studentenwohnheim mitunter furchtbar langweilig war und sich die möglichkeiten, im winter seine freie zeit in der stadt zu verbringen, stark in grenzen hielten, wenn man nicht sein ganzes geld in den caféterien lassen wollte, streunerte ich auf der suche nach zerstreuung und inspiration durch die riesigen einkaufsmalls der industriellen außenviertel. dort gab es allerhand französische einkaufskultur zu beobachten, aber was in diesem falle weitaus wichtiger war: es gab billig knete. ein sechserpack mit schwarz, weiß, grün, blau, gelb und blau für schlappe 7 euro. ich hielt das für eine sehr sinnvolle investition. zwar hatte ich noch keine ahnung, was ich damit konkret anstellen sollte, aber da würde sich schon was finden. denn mit knete wollte ich schon immer mal was machen.

als jan mich dann über die weihnachtsferien besuchen kam, das wetter uneinladend und rennes wie ausgestorben war, weil die studenten alle nen schuh gemacht hatten, um sich zuhause bei mami und papi einen dicken feiertagsbauch anzufuttern, da bot die knete eine willkommene beschäftigungsmöglichkeit. an große aufbauten für lange geschichten war in einem 9qm-zimmer nicht zu denken. dafür reichten auch der rest vom geschenkpapier und die cornflakes-cartons nicht aus, die ich bisher gesammelt hatte. und überhaupt, lieber mal klein anfangen, denn trickfilm, das wussten wir schon aus erfahrung, ist eine sache, die sich ganz schön hinziehen kann. also etwas kurzes mit überschaubarer kulisse und handlung. jan meinte, er wäre seinerzeit großer fan des viva2-pausenfüllers "mr.explosion" gewesen, vor allem wegen des überzeugenden zeitmanagements: 20sek-vorspann/7sek-film/20-sek-nachspann. super schema! haben wir also kurzerhand geklaut, nur dass pedro sich ein wenig mehr zeit für das stets makabre ende lässt als sein explosives vorbild. es wurde dann auch kein richtiger knettrickfilm, denn im gegensatz zur profipampe härtet kaufhausknete schnell aus, sodass wir uns bis auf wenige ausnahmen darauf beschränkten, objekte daraus herzustellen. aber auch das war schon nicht ganz unanspruchsvoll und mein respekt vor den machern von knetanimationsfilmen wie "wallace and gromit" wuchs beträchtlich. auch der kleine maßstab, der sich aus der größe der schreibtischplatte ergab, erwies sich als nicht besonders praktikabel. bei einer fußlänge von 6mm scheiterte pedro an so mancher welle des zum fußboden umfunktionierten packpapiers. und sich dann noch jedes mal zu merken, wo der nun gerade genau stand... charmanter ruckeltrash mit herzergreifenden geschichten!


drehbuch, knetfiguren, kamera, regie, schnitt und vertonung: merle

drehbuch, kulisse, kamera, regie und dvd-authoring: jan